Projekt
Offene Arbeitsstrukturen für eine moderne Verwaltung
LWL Münster
Arbeitswelten die Effizienz, Zusammenarbeit und Zukunftsfähigkeit fördern
Projekt
Offene Arbeitsstrukturen für eine moderne Verwaltung
LWL Münster
Arbeitswelten die Effizienz, Zusammenarbeit und Zukunftsfähigkeit fördern


Kategorie
Office
Leistungen
Team
Theresa Kellner
Kathrin Mahnert
Lena Mangels
Eva Boss
Kunde
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Bau-und Liegenschaftsbetrieb (BLB)
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Bau-und Liegenschaftsbetrieb (BLB)
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Ort
Münster
Status
Fertigstellung 2025
Auszeichnungen
Auszeichnungen
Größe
3.300 qm
Credits
Roland Borgmann Fotografie
LWL Münster
Wie sieht eine Verwaltung aus, die Flächen effizient nutzt, moderne Arbeitsformen ermöglicht und gleichzeitig Akzeptanz bei Mitarbeitenden und Gremien findet? Im neuen Verwaltungsgebäude des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Münster wird diese Fragestellung räumlich beantwortet: Auf rund 3.300 Quadratmetern entsteht eine offene, nachhaltig geplante Arbeitswelt, die Activity Based Working, Desk-Sharing und klare Strukturen miteinander verbindet.
Der LWL bündelt seine Bau- und Liegenschaftsaufgaben in einem neuen L-förmigen Verwaltungsgebäude an der Fürstenbergstraße in Münster – als Baustein eines gewachsenen Campus rund um das Landeshaus. Damit verbunden ist eine zentrale Management-Frage: Wie lässt sich ein neuer Standort so planen, dass er organisatorische Strukturen unterstützt, Silos reduziert und Entscheidungswege verkürzt, statt nur Flächen zu verwalten?
Der entstandene Neubau schafft eine klar strukturierte Arbeitsumgebung mit 165 modernen Arbeitsplätzen und macht den organisatorischen Wandel des Verbands räumlich sichtbar. Die Innenarchitektur übersetzt die Aufgaben und Werte des LWL in eine nutzerzentrierte Arbeitswelt. Im Fokus steht: Referate sollen nahtlos zusammenarbeiten können, Wege müssen kürzer und Entscheidungsprozesse transparenter werden. Die Antwort auf diese Anforderungen liegt in einer offenen, fein gegliederten Arbeitslandschaft, die unterschiedliche Arbeitsweisen unterstützt, Hierarchien räumlich zurücknimmt und damit die Grundlage für kulturellen Wandel legt.

Das neue Konzept löst sich bewusst von starren Zellenbüro-Strukturen, die viele Organisationen heute als ineffizient, schwer steuerbar und wenig attraktiv für neue Mitarbeitende erleben.
Activity Based Working bildet die Grundlage: offene Teamzonen für den Austausch, projektorientierte Bereiche für gemeinsames Arbeiten, individuelle und geteilte Arbeitsplätze sowie Rückzugsräume für konzentrierte Aufgaben. So können Flächen besser ausgelastet werden, ohne den Anspruch an Ruhe, Vertraulichkeit und Produktivität zu verlieren.
Kommunikationsboxen ergänzen die vorhandenen Einzelbüros und ermöglichen vertrauliche Gespräche und digitale Meetings, ohne zusätzliche klassische Fokusräume schaffen zu müssen. Meetingbereiche und flexibel nutzbare Projektflächen bieten Raum für kurze Abstimmungen und längere Workshops – ein wichtiger Hebel, um Meetingkultur, Entscheidungsprozesse und interdisziplinäre Projekte räumlich zu unterstützen.


Coffeepoints und informelle Treffpunkte sind im Gebäude bewusst an den Schnittpunkten der Wege positioniert. Sie fungieren als räumliche und soziale Ankerpunkte, an denen sich Teams begegnen, informell abstimmen und bereichsübergreifende Kontakte pflegen – ein zentrales Thema für Organisationen, die Silos abbauen und Zusammenarbeit spürbar verbessern möchten.
Im Dachgeschoss öffnet ein Konferenzbereich mit Ratssaal das Gebäude zusätzlich nach außen. Tagungen mit bis zu 130 Teilnehmenden, politische Gremienarbeit, Veranstaltungen und Formate mit der Stadtgesellschaft machen den Neubau zu einem Ort, an dem interne Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit zusammenkommen. Für die Entscheiderebene entsteht damit ein repräsentativer, funktional durchdachter Rahmen für formelle und informelle Formate – mit klarer räumlicher Trennung zum täglichen Bürobetrieb.

Gestalterisch setzt der Entwurf auf ehrliche, langlebige Materialien und ein ausgewogenes Verhältnis von Offenheit und Rückzug. Sichtbare Betondecken, natürliche Bodenbeläge und robuste Oberflächen vermitteln Seriosität und Beständigkeit – Qualitäten, die zur öffentlichen Bauherrschaft des LWL passen und gleichzeitig Anforderungen an Werthaltigkeit, Unterhalt und Lebenszykluskosten unterstützen. Die bewusste Materialwahl verweist zugleich auf die Bauaufgabe des LWL selbst und macht dessen Rolle als Bauherr und Bauverantwortlicher räumlich erfahrbar.
Nachhaltigkeit ist im Projekt kein nachgelagerter Aspekt, sondern integraler Bestandteil der Planung – ein entscheidender Punkt wenn ESG-Ziele, Förderlogiken und öffentliche Erwartungshaltungen im Blick behalten werden müssen.
Der Neubau wurde als Effizienzgebäude 55 umgesetzt, von der DGNB mit dem Standard Silber zertifiziert und mit Photovoltaikanlagen zur Eigenstromerzeugung ausgestattet. Langlebige Materialien, flexible Flächenzuschnitte und ein ressourcenschonendes Nutzungskonzept sorgen dafür, dass der Standort langfristig wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll betrieben werden kann und Investitionen über den gesamten Lebenszyklus stabil bleiben.
Der Neubau leistet damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Standorts Münster und steht beispielhaft für zukunftsorientiertes Bauen.

Ein Fund während der Bauphase schlägt eine unerwartete Brücke in die Vergangenheit. Unter dem Gebäude wurden Teile der historischen Verteidigungsanlage Münsters aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges freigelegt: eine rund vier Meter hohe Schanze mit vorgelagertem Graben. Damit treffen in diesem Projekt historische Stadtgeschichte und zukunftsorientierte Verwaltungsarchitektur aufeinander - ein Detail, das dem Projekt eine eigene, unverwechselbare Note gibt.
Der Neubau des LWL zeigt, wie sich zentrale Herausforderungen der Verwaltungsmodernisierung in einem ganzheitlichen Raumkonzept lösen lassen. Die Kombination aus klar gegliederten Arbeitswelten, repräsentativen Bereichen für Politik und Öffentlichkeit, robusten Materialentscheidungen und einem tragfähigen Nachhaltigkeitsansatz macht das Gebäude zu einem Werkzeug der Organisation – nicht nur zu einem weiteren Verwaltungsstandort.
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