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Strategische Flächenbedarfsermittlung

Vom Bauchgefühl zur belastbaren Entscheidungsgrundlage

Moderner Büro-Sitz-Bereich mit Holztheke, integrierter Küchenzeile, blauen Schließfächern und strukturierter Holzdecke. Eine Frau arbeitet am Laptop an der zentralen Sitztheke.Moderner Büro-Sitz-Bereich mit Holztheke, integrierter Küchenzeile, blauen Schließfächern und strukturierter Holzdecke. Eine Frau arbeitet am Laptop an der zentralen Sitztheke.

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Autor(en)

Marie Seliger

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Management Team

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Strategische Flächenbedarfsermittlung für New-Work-Büros

Die Post-Corona-Zeit hat aus der klassischen Büroplanung eine strategische Aufgabe gemacht. Gerade im Kontext von New-Work-Konzepten, hybriden Arbeitsmodellen und zukunftsfähigen Büroflächen entscheidet eine professionelle Flächenbedarfsermittlung heute über Effizienz,Unternehmenskultur und Arbeitgeberattraktivität. Wer heute Flächenentscheidungen trifft, greift damit direkt in Kultur, Kostenstruktur und Zukunftsfähigkeit der Organisation ein.​

Warum Flächenentscheidungen strategisch sind

Viele Unternehmen stehen vor denselben Fragen: Wie viel Bürofläche brauchen wir künftig wirklich? Wie bringen wir Menschen zurück ins Büro, ohne alte Strukturen einfach zu konservieren? Und wie bleiben wir flexibel, wenn sich Organisationen immer dynamischer verändern?​

Eine belastbare Antwort entsteht nicht mehr über Daumenregeln oder historische Flächenkennzahlen, sondern über einen systematischen, datenbasierten und partizipativen Prozess. Dieser verknüpft strategische Ziele, Unternehmenskultur und konkrete Nutzungsmuster der Mitarbeitenden.

Schritt 1: Strategieworkshop mit der Geschäftsführung

Workshop bei bkp: Marie Seliger präsentiert Ideen auf einem Moderationsboard mit bunten Klebezetteln, während drei Kollegen aufmerksam zuhören.

© Annika Feuss

Am Anfang steht ein klar strukturierter Strategieworkshop mit der Geschäftsführung und zentralen Entscheidungsträgern. Hier wird die Flächenfrage ausdrücklich als strategische Frage behandelt – nicht als bloßes Planungsdetail.​

In diesem Rahmen werden:

  • übergeordnete Ziele definiert (Kultur, Wachstum, Effizienz, Arbeitgeberattraktivität)
  • Schmerzpunkte und Engpässe in bestehenden Gebäuden und Strukturen benannt
  • Leitplanken festgelegt (Budgetrahmen, Standorte, ESG-Vorgaben, Mietverträge)

Kern des Workshops ist eine SWOT-Analyse der bestehenden Gebäude- und Organisationsstrukturen. Sie zeigt auf, wo aktuelle Flächen die Unternehmenskultur und Prozesse unterstützen – und wo sie Wandel ausbremsen. So wird die spätere Büroplanung auf ein klares strategisches Fundament gestellt – ein wichtiger Erfolgsfaktor für jede Transformations- und Immobilienstrategie.

Schritt 2: Unternehmenskultur, Werte und New Work integrieren

Flexibler Lounge- und Rückzugsbereich eines modernen Büros mit mintfarbenen Sofas, integrierten Nischen zum konzentrierten Arbeiten und einem offenen Regal mit bunten Sitzmöbeln – Innenarchitektur, die verschiedene Arbeitsmodi in einem Raum vereint.

© Annika Feuss

Ein tragfähiges Flächenkonzept beantwortet nicht nur die Frage „Wie viele Quadratmeter brauchen wir?“, sondern vor allem „Wie wollen wir künftig zusammenarbeiten?“. Deshalb werden in den Prozess bewusst weiche Faktoren eingebunden:​

  • gelebte und angestrebte Unternehmenskultur
  • Führungsverständnis und Grad der Selbstorganisation
  • Nachhaltigkeitsziele und ESG-Strategie
  • Arbeitsprozesse, Wissensaustausch und Innovationsfähigkeit
  • Wohlbefinden, Gesundheit und Employee Experience

Auf dieser Basis wird deutlich, wie stark Kommunikation, Fokusarbeit und Kollaboration im Arbeitsalltag gewichtet werden – und welche Raumtypen diese Arbeitsmodi künftig unterstützen müssen. Die in der Kultur verankerten weichen Faktoren werden später im Raumprogramm als konkrete Flächenbausteine (z. B. Austauschzonen, Gesundheitsbereiche, Serviceflächen) umgesetzt.

Schritt 3: Partizipative Einbindung von Führungskräften und Multiplikatoren

Flexibler Lounge- und Rückzugsbereich eines modernen Büros mit mintfarbenen Sofas, integrierten Nischen zum konzentrierten Arbeiten und einem offenen Regal mit bunten Sitzmöbeln – Innenarchitektur, die verschiedene Arbeitsmodi in einem Raum vereint.

Akzeptanz für ein neues Arbeitsmodell entsteht nicht am Reißbrett. Entscheidend ist, Schlüsselpersonen aus unterschiedlichen Bereichen und Hierarchieebenen frühzeitig einzubinden.

Dazu werden Führungskräfte, Multiplikatoren und oft auch Betriebsrat und HR in moderierten Formaten beteiligt. Sie bringen Praxisperspektive ein, schärfen Anforderungen und fungieren später als Botschafter in ihren Bereichen. Das erhöht:

  • die Qualität der Bedarfsermittlung
  • die Identifikation mit dem neuen Arbeitsmodell
  • die Geschwindigkeit in der Umsetzung und im Change-Prozess
Modernes Büro mit flexiblen Arbeitsbereichen: Eine Mitarbeiterin erklärt am Whiteboard, während zwei Kollegen an einem Stehtisch zuhören – lichtdurchflutet mit Raumteilern und flexiblen Arbeitsmöglichkeiten.
© Annika Feuss

Schritt 4: Automatisiertes Umfragetool als Datengrundlage

Die qualitative Perspektive wird über ein automatisiertes Umfragetool um harte Zahlen ergänzt. Dabei füllen ausgewählte Führungskräfte und Multiplikatoren das Tool stellvertretend für ihre Teams und Bereiche aus und bringen so die tatsächlichen Arbeitsmuster der Organisation in den Prozess ein.

Typische Inhalte der Befragung sind:

  • Arbeitsmodi (Fokus, Kollaboration, Projektarbeit, Kundenkontakt)
  • Präsenzzeiten und Homeoffice-Tage
  • Teamgrößen und Schnittstellen
  • Anforderungen an Austausch, Vertraulichkeit, Konzentration
  • Nutzung von Projektflächen, Meetingräumen und Sonderflächen
Dynamischer Büroflur mit abwechslungsreichen Arbeitswelten: Von privaten Phonebox-Kabinen bis hin zu einer Aktivzone mit Sprossenwand und Gymnastikball – Innenarchitektur, die Bewegung und Rückzug gleichermaßen ermöglicht.
© Annika Feuss

Die Antworten werden automatisiert ausgewertet und in Raumtypologien überführt. So lassen sich Desk-Sharing-Quoten, benötigte Meeting-Cluster, Rückzugsräume, Sonderzonen sowie der erforderliche Anteil offener und geschlossener Flächen belastbar ableiten – differenziert nach Bereichen und Standorten. Aus den aggregierten Ergebnissen entsteht Schritt für Schritt ein konkretes, zukunftsfähiges Raumprogramm. Es übersetzt die Bedarfe in belastbare Quadratmeterzahlen, beantwortet zentrale Fragen zu Flächenvolumen, Wachstumsreserven und Funktionsflächen und liefert damit eine fundierte Grundlage für Investitionsentscheidungen, Mietverhandlungen oder Bestandsoptimierung – weit entfernt von groben Schätzungen.

Schritt 5: Flexibles Gebäudekonzept für dynamische Organisationen

Auf Basis des Raumprogramms wird ein Gebäudekonzept entwickelt, das nicht nur den Status quo abbildet, sondern die erwartete Dynamik der Organisation mitdenkt. Ziel ist eine Struktur, die Wandel ermöglicht, statt ihn zu begrenzen.

Wesentliche Leitplanken dabei sind:

  • modulare, skalierbare Flächenzuschnitte
  • ausgewogene Balance zwischen offenen und geschlossenen Bereichen
  • klare Zonen für Fokusarbeit, Kollaboration und Begegnung
  • Flächen, die sich bei organisatorischen Veränderungen einfach umnutzen lassen

So entsteht ein Arbeitsumfeld, das heutige Anforderungen erfüllt und zugleich Reserven für zukünftige Entwicklungen bietet – ohne bei jedem Wandel erneut grundsätzlich umbauen zu müssen.

Stilvoller Lounge-Bereich eines modernen Büros mit blauem Sofa, rotem Sessel und dunklem Regalwandsystem – im Hintergrund öffnet sich der Raum zu einer eleganten Küche mit Marmor-Kücheninsel.
© Annika Feuss

Schritt 6: Belegungsplanung und Identifikation von Freiflächen

Im letzten Schritt werden die Anforderungen mit der realen Gebäudestruktur zusammengeführt. Die Belegungsplanung verknüpft:

  • Raumprogramm und Flächenkennzahlen
  • Gebäuderaster, Flächenschnitte und technische Rahmenbedingungen
  • Bestandsflächen, potenzielle Umnutzungsflächen und Erweiterungsoptionen

So wird sichtbar, wo sich der Bedarf innerhalb der bestehenden Immobilie abbilden lässt, welche Umbauten nötig sind und welche Freiflächen tatsächlich entstehen. Dies schafft Entscheidungsgrundlagen für Untervermietung, Konsolidierung oder Re-Investition am Standort.

Fazit für Entscheider: Transparenz statt Risiko

Beratungsgespräch bei bkp: Heiner Kolde im Gespräch mit Hannah Schwarz und Marie Seliger an einem Stehtisch in einem Raum mit Industriecharakter und Backsteinwänden.

© Annika Feuss

Ein strategischer und automatisierter Prozess zur Flächenbedarfsermittlung reduziert Komplexität und Risiko in einer Phase, in der Arbeitswelten, Kultur und Immobilienportfolios sich parallel verändern. Er macht Flächenentscheidungen messbar und nachvollziehbar, verknüpft Zahlen, Kultur und Zukunftsstrategie und schafft damit Akzeptanz bei Mitarbeitenden und Führungskräften.

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