Strategische Flächenbedarfsermittlung
Vom Bauchgefühl zur belastbaren Entscheidungsgrundlage
Die Post-Corona-Zeit hat aus der klassischen Büroplanung eine strategische Aufgabe gemacht. Gerade im Kontext von New-Work-Konzepten, hybriden Arbeitsmodellen und zukunftsfähigen Büroflächen entscheidet eine professionelle Flächenbedarfsermittlung heute über Effizienz,Unternehmenskultur und Arbeitgeberattraktivität. Wer heute Flächenentscheidungen trifft, greift damit direkt in Kultur, Kostenstruktur und Zukunftsfähigkeit der Organisation ein.
Viele Unternehmen stehen vor denselben Fragen: Wie viel Bürofläche brauchen wir künftig wirklich? Wie bringen wir Menschen zurück ins Büro, ohne alte Strukturen einfach zu konservieren? Und wie bleiben wir flexibel, wenn sich Organisationen immer dynamischer verändern?
Eine belastbare Antwort entsteht nicht mehr über Daumenregeln oder historische Flächenkennzahlen, sondern über einen systematischen, datenbasierten und partizipativen Prozess. Dieser verknüpft strategische Ziele, Unternehmenskultur und konkrete Nutzungsmuster der Mitarbeitenden.

© Annika Feuss
Am Anfang steht ein klar strukturierter Strategieworkshop mit der Geschäftsführung und zentralen Entscheidungsträgern. Hier wird die Flächenfrage ausdrücklich als strategische Frage behandelt – nicht als bloßes Planungsdetail.
In diesem Rahmen werden:
Kern des Workshops ist eine SWOT-Analyse der bestehenden Gebäude- und Organisationsstrukturen. Sie zeigt auf, wo aktuelle Flächen die Unternehmenskultur und Prozesse unterstützen – und wo sie Wandel ausbremsen. So wird die spätere Büroplanung auf ein klares strategisches Fundament gestellt – ein wichtiger Erfolgsfaktor für jede Transformations- und Immobilienstrategie.
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© Annika Feuss
Ein tragfähiges Flächenkonzept beantwortet nicht nur die Frage „Wie viele Quadratmeter brauchen wir?“, sondern vor allem „Wie wollen wir künftig zusammenarbeiten?“. Deshalb werden in den Prozess bewusst weiche Faktoren eingebunden:
Auf dieser Basis wird deutlich, wie stark Kommunikation, Fokusarbeit und Kollaboration im Arbeitsalltag gewichtet werden – und welche Raumtypen diese Arbeitsmodi künftig unterstützen müssen. Die in der Kultur verankerten weichen Faktoren werden später im Raumprogramm als konkrete Flächenbausteine (z. B. Austauschzonen, Gesundheitsbereiche, Serviceflächen) umgesetzt.
Akzeptanz für ein neues Arbeitsmodell entsteht nicht am Reißbrett. Entscheidend ist, Schlüsselpersonen aus unterschiedlichen Bereichen und Hierarchieebenen frühzeitig einzubinden.
Dazu werden Führungskräfte, Multiplikatoren und oft auch Betriebsrat und HR in moderierten Formaten beteiligt. Sie bringen Praxisperspektive ein, schärfen Anforderungen und fungieren später als Botschafter in ihren Bereichen. Das erhöht:
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Die qualitative Perspektive wird über ein automatisiertes Umfragetool um harte Zahlen ergänzt. Dabei füllen ausgewählte Führungskräfte und Multiplikatoren das Tool stellvertretend für ihre Teams und Bereiche aus und bringen so die tatsächlichen Arbeitsmuster der Organisation in den Prozess ein.
Typische Inhalte der Befragung sind:

Die Antworten werden automatisiert ausgewertet und in Raumtypologien überführt. So lassen sich Desk-Sharing-Quoten, benötigte Meeting-Cluster, Rückzugsräume, Sonderzonen sowie der erforderliche Anteil offener und geschlossener Flächen belastbar ableiten – differenziert nach Bereichen und Standorten. Aus den aggregierten Ergebnissen entsteht Schritt für Schritt ein konkretes, zukunftsfähiges Raumprogramm. Es übersetzt die Bedarfe in belastbare Quadratmeterzahlen, beantwortet zentrale Fragen zu Flächenvolumen, Wachstumsreserven und Funktionsflächen und liefert damit eine fundierte Grundlage für Investitionsentscheidungen, Mietverhandlungen oder Bestandsoptimierung – weit entfernt von groben Schätzungen.
Auf Basis des Raumprogramms wird ein Gebäudekonzept entwickelt, das nicht nur den Status quo abbildet, sondern die erwartete Dynamik der Organisation mitdenkt. Ziel ist eine Struktur, die Wandel ermöglicht, statt ihn zu begrenzen.
Wesentliche Leitplanken dabei sind:
So entsteht ein Arbeitsumfeld, das heutige Anforderungen erfüllt und zugleich Reserven für zukünftige Entwicklungen bietet – ohne bei jedem Wandel erneut grundlegend umbauen zu müssen.
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Im letzten Schritt werden die Anforderungen mit der realen Gebäudestruktur zusammengeführt. Die Belegungsplanung verknüpft:
So wird sichtbar, wo sich der Bedarf innerhalb der bestehenden Immobilie abbilden lässt, welche Umbauten nötig sind und welche Freiflächen tatsächlich entstehen. Dies schafft Entscheidungsgrundlagen für Untervermietung, Konsolidierung oder Re-Investition am Standort.

© Annika Feuss
Ein strategischer und automatisierter Prozess zur Flächenbedarfsermittlung reduziert Komplexität und Risiko in einer Phase, in der Arbeitswelten, Kultur und Immobilienportfolios sich parallel verändern. Er macht Flächenentscheidungen messbar und nachvollziehbar, verknüpft Zahlen, Kultur und Zukunftsstrategie und schafft damit Akzeptanz bei Mitarbeitenden und Führungskräften.
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